Zeichen für die Demokratie gesetzt (svz 09-08-2019)

Lübzer sowie Mitglieder der Initiative „Schule ohne Rassismus“ trafen sich zum Tag der Befreiung auf dem Friedhof der Eldestadt
Tag der Befreiung

Treffen auf dem Lübzer Friedhof: Bürger, Zeitzeugen und Schüler des Eldenburggymnasiums legten Blumen nieder. Foto: Degner

Monika Maria Degner Lübz Der 8. Mai, der offizieller Gedenktag in Deutschland ist, hat zwei Bedeutungen. Der 2. Weltkrieg war im europäischen Raum zu Ende. Der Tag ist gleichermaßen ein Wendepunkt hinsichtlich des politischen Systems: Er markierte die Befreiung vom Nationalsozialismus, jener Mischung aus Faschismus und Rassismus, und der extremen Unterdrückung der Deutschen. Wer nicht für die Nazis war, war – in der Auslegung des totalitären Machtanspruchs – gegen sie. Ein falsches Wort und selbst eher unpolitische Menschen fanden sich über Nacht in „Schutzhaft“, also in den KZs, wieder. Jeden konnte es treffen. Mitläufer und selbst Täter nicht ausgenommen. Zum Gedenken trafen sich Bürger, Zeitzeugen und Schüler und Schülerinnen des Eldenburggymnasiums auf dem Lübzer Friedhof. Rainer Raeschke von den Linken und eine Schülerin legten gemeinsam einen Blumenstrauß vor jenem Gedenkstein dort nieder, der die Aufschrift trägt: „Den Kämpfern gegen den Faschismus zum Gedenken“. In seiner Ansprache wies Raeschke darauf hin, wie wichtig es sei, in der Gegenwart Tendenzen der Menschenfeindlichkeit und der Rechtslastigkeit auszumachen und ihnen entgegenzutreten. Ein bewegendes Dokument der Not waren die Notizen der Mutter von Frigga Bielefeld. Überwindung kostete es die Tochter, geboren 1942, heute noch, die Aufzeichnugen vorzulesen. Die jungen Menschen hatten ihre Botschaft zum Gedenktag in einem Papier zusammengefasst. Da ist nicht nur die Rede von den Opfern des Rassismus, „denen das Recht auf Leben und der Status Mensch“ aberkannt wurde, der Ablehnung alles Andersartigen, sondern auch von den Leiden der Zivilbevölkerung, der Kriegsgefangenen, der Flüchtlinge und Vertriebenen und vom Mut derer, die Widerstand übten. „Heute, am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, möchten wir auch ein Zeichen setzen für Freiheit und Demokratie“, endete die Ansprache. Die Geschichte des NS ist für diese Schüler ein Exempel. Es steht dafür, was Totalitarismus grundsätzlich ist. Das Gedankengut ist nicht erledigt.