Tüftler mit massentauglichen Ideen – Lernen durch Engagement am EGL

Erfolgreiches Ein-Jahres-Projekt: Mitarbeiter der Lewitz-Werkstätten und Lübzer Gymnasiasten kreieren Souvenire für die Stadt 

„Kreativ sein“ – so nennen es die Lewitz-Werkstätten, die ihren Mitarbeitern mit Handicap ganz unterschiedliche begleitende Maßnahmen anbieten. Beim Eldenburg-Gymnasium Lübz laufen Projekte wie jenes, das sie ein Jahr lang gemeinsam mit den Lewitz-Werkstätten durchführten, „Lernen durch Engagement“. Gestern war der Tag der Abrechnung, und beide Seiten waren mehr als zufrieden.

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Nicht nur wegen der „Produkte“, die von Anfang an dazu gedacht waren, gegen eine Spende an die Lübzer Stadtinformation zu gehen. „Vor allem war das Projekt wirklich cool“, sagt Pauline, Schülerin am EGL. „Anfangs überlegten wir, was wir gemeinsam machen können, das anderen gefällt und wovon auch die Stadt profitieren kann.“ Schnell kam eine Gruppe, die sich einmal wöchentlich am EGL traf, überein, dass Kühlschrankmagnete aus Holz super wären. Und Einkaufstaschen. Beides mit Lübzer Stadtansichten. „In den Geschäften hatten wir extra dafür eine Umfrage gestartet“, sagt Pauline und sie erinnert sich, dass die Favoriten schnell gefunden waren: der Lübzer Amtsturm, der Schirmkinder-Brunnen, die kleine Ziege vom Markt und natürlich der Stierkopf, Lübz’ Stadtwappen. Ein Jahr klotzten Schüler und Werkstätten-Mitarbeiter gemeinsam ran. Mit Linoldruck und Heißmalbrenner. Sosehr, dass die Stadtinformation in Lübz nun für eine ganze Weile eingedeckt sein sollte. Das Projekt beinhaltete aber noch eine andere, eine ganz menschliche Facette. „Die Zusammenarbeit“, sagt Kathleen Ladwig-Skiba, Bereichsleiterin Wohnen bei den Lewitz-Werkstätten. „Durch sie wurden Begegnungen möglich, die es andernfalls nicht gegeben hätte, durch sie gab es Berührungspunkte, konnten Ängste und Vorbehalte abgebaut werden.“ Für Werkstattmitarbeiter Christian eine schöne Erfahrung. Er war selbst in jenen Wochen gekommen, in denen er Urlaub hatte. „Ja“, sagt er, „ich wollte unbedingt dabei sein, weil es Spaß machte und ich was schaffen wollte.“

Es war übrigens nicht die erste. Die lief schon letztes Jahr, als Schüler und Werkstattmitarbeiter den Lübzer „Stadtführer in einfacher Sprache“ erarbeiteten. Lübz Bürgermeisterin Gudrun Stein gestand, dass sie den klasse findet. „Das aktuelle Projekt gefällt mir jedoch mindestens genauso gut, weil uns als Stadt bisher ein typisches Souvenir fehlte.“

Der Vertrag für ein Projekt im kommenden Jahr wurde gestern zwar noch nicht unterzeichnet, aber die Chancen stehen gut. „Und dann muss unbedingt der Amtsturm als Kerze in Produktion gehen“, schlägt Lehrer Gerd Vorhauer vor. An der Form hatte der 3-D-Druckkurs des Gymnasiums lange herumgetüftelt und inzwischen einen fast massentauglichen Prototypen erstellt.

– Quelle: https://www.svz.de/20104332 ©2018