Theaterkurs des EGL lädt ein

theater 2018

Die Theatergruppe des Eldenburg-Gymnasiums Lübz (EGL) zeigt als nächstes Stück „Schneewittchen bleibt Schneewittchen, aber die böse Königin trägt neue Masken“. Es ist dämmrig im weitläufigen Atrium des Gymnasiums. Gut 20 Schülerinnen und Schüler sitzen verteilt in Grüppchen an den Rändern und warten auf den Beginn ihrer Generalprobe. Im Mittagshitzegrau ziehen immerhin eine feuerrote Perücke auf dem Kopf eines Clowns und eine orangefarbene Zipfelmütze ihre bunte Bahn. Die Frage ist: Welches Stück werden sie spielen? Die wenigen Kostüme, die zu sehen sind, verraten nichts, das Bühnenbild auch nicht. Nur ein großer Standspiegel links auf der Bühne fällt auf. Die Theatergruppe am EGL, die jedes Jahr wieder aus den Kursen der Ganztagsschule hervorgeht, schreibt ihre Stücke selbst. Sie spielen nicht den Faust, dazu wären die Siebt- bis Zehntklässler ohnehin zu jung, und auch nicht Brechts Galilei. Sie überlegen selbst, welcher Stoff bühnentauglich sein könnte – und dieser Stoff stammt aus ihrer Erfahrungswelt. „In diesem Jahr wollte die Gruppe etwas Lustiges erarbeiten”, sagt Kursleiterin Maria Hansekowski. Die junge Lehrerin unterrichtet Deutsch und Sozialkunde. Aber was dabei herauskam, ist nicht nur lustig. Es ist auch klug und „dramaturgisch“ nicht gerade unkompliziert.

 Von Oktober bis März wurde geschrieben, nach Ostern hatten alle einen Text in der Hand. Sein Titel: „Schnee(wittchen) von gestern?” Es geht grundsätzlich um die Wertschätzung dessen, was Generationen zuvor Wichtiges erschaffen haben. Ist es Schnee von gestern oder ein Erbe, das überdauert hat, weil es gültig blieb? Das Stück geht einen Mittelweg: Das „Alte”, im Schülerstück das Märchen Schneewittchen, wird modernisiert. Die Schüler haben dazu ein Spiel im Spiel ausgedacht. Die reale Theatergruppe spielt eine Theatergruppe, die sich spaltet, weil ein Mädchen den „klassischen” Text blöde findet. Das ist aber auch Mittel zum Zweck, denn der weibliche Spaltpilz will vor allem glänzen, eine Führerinnenrolle einnehmen.

Im Endeffekt aber vereinen sich die beiden Gruppen wieder. Die Anführerin erhält die Rolle der bösen Königin und kann das Märchen jetzt schick modernisieren. Sie hält sich eine „Personal Assistant”, die sie knechtet, befragt Facebook nach Followern und bestellt den Gürtel, mit dem Schneewittchen gewürgt werden wird, bei Zalando und so fort… .

Noch holpert das Spiel, Gänge und Anschlüsse sind nicht immer klar, müssen zwischen Spielenden und Regisseurin geklärt werden. Bei all dem steht Nick aus der Elf der Gruppe zur Seite, wenn ein Spieler ausfällt. Er war Mitglied, muss sich jetzt aber aufs Abi konzentrieren. Und sogar die Ehemaligen Enka und Isi, Urgesteine der Theatergruppe, sind extra hergekommen, um die Jungen mit Kritik zu unterstützen. Eine Teilnehmerin berichtet, dass die Gruppe gar nicht mehr so glücklich mit dem Stück sei – liebe Leute, der Text ist toll! Zweifel sind kurz vor der Premiere ganz normal. Eine gültige Erfahrung oder auch nur ein alter Hut?

Die Premiere findet im Gymnasium Lübz am Donnerstag, 21. Juni, um 19 Uhr statt.

– Quelle: https://www.svz.de/20188752 ©2018