Nüchtern in Mutters Bauch (svz-28-02-2018)

Aktionszelt informiert über Fetales Alkoholsyndrom. 454 Schüler besuchten Atrium des Eldenburg-Gymnasiums

 

Donovan, Samuel, Reimund, Max und Jan (v.l.) waren nach dem Rundgang deutlich klüger.

Donovan, Samuel, Reimund, Max und Jan (v.l.) waren nach dem Rundgang deutlich klüger.

454 Jugendliche aus Lübz, Goldberg und Plau wissen jetzt Bescheid, was das FASD, das Fetale Alkoholsyndrom, angeht. Eine viermal vier Meter große und 2,50 Meter hohe Gebärmutter in Zelt-Form und zwei interaktive Touchscreen Stationen schafften es für drei Tage in das Atrium des Eldenburg-Gymnasiums Lübz. Beweggrund für die Aktion war, die Gefahr von Alkohol zu verdeutlichen, wenn er während der Schwangerschaft getrunken wird. Zur Verfügung gestellt wurde beides vom FASD-Netz Nordbayern e.V. in enger Zusammenarbeit mit dem Familieninformationsnetzwerk Ludwigslust-Parchim.

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Am interaktiven Touchscreen: Nele, Anna, Karla und Julia aus der 9b (v.l.)

 

Von Freitag letzter Woche an bis gestern pochten die Herzschläge eines Fetus durch die Hallen des Gymnasiums und hinterließen durchaus Eindruck. Victor, Martha und Liv aus der 8c waren schon einmal durch das Zelt flaniert. „Ich habe schon viel darüber gelesen. Aber das Gewicht eines Fetus, die 3000 Gramm in der Hand – das war neu für mich“, so Viktor. Gemeint waren einzeln am Zelt aufgehängte Sandsäcke, die die Grammzahl eines Babys in den einzelnen Schwangerschaftswochen deutlicher werden ließen. Auch Reimund aus der siebten Klasse hatten es die Gewichte angetan. Noch mehr beeindruckten ihn allerdings die beschriebenen Fakten innerhalb des Zeltes. „Dass in jeder Minute 100 000 Nervenzellen gebildet werden…“, lässt der Siebtklässler sein neues Wissen nicht lange hinter dem Berg. Damit nicht der Eindruck entsteht, nur Jungen wären bei einer die Frauen unmittelbar betreffenden Geschichte dabei gewesen, hier noch eine Frauenstimme: „Meine Mutter hat mir schon davon erzählt“, so Martha aus der 8c, die genauso wie Nele, Anna, Karla und Julia aus der 9b Gast in dem „Mutterzelt“ waren.

„Diese Tour ist nur zustandegekommen, weil die Schwangerschaftsberatungen in der Umgebung es wollten und wir die Schulsozialarbeiter mit ins Boot geholt haben“, so Uta Eichel vom Familieninformationsnetzwerk. Sie und ihre heutige Mitstreiterin Rilana Jock freuten sich über den immensen Zuspruch: „Er war richtig, dass wir das Zelt hierher geholt haben. Die Schüler können sich darin stundenlang allein beschäftigen.“ Auch in die Schulen außerhalb von Lübz, deren Schüler extra mit Bussen in die Stadt gebracht wurden, gab es ein hohes Interesse. „Hut ab vor der Organisation“ so Lehrerin Carola Henkelmann. Für die Jahrgansstufen sieben bis neun war der Besuch Pflicht, ab der 10 Klasse war es freiwillig. Doch Carola Henkelmann erkennt ihre Schweine am Gang: „Die wollen alle da rein.“

Mona Laudan