Lehrer drücken die Schulbank (svz-07-04-2018)

Kollegium des Lübzer Eldenburg Gymnasiums betrachtet Unterricht und Lernen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten

Lehrerinnen und Lehrer des Eldenburg-Gymnasiums informieren sich in einer Fortbildungsreihe über neue Unterrichtsmethoden und veränderten Blick auf den Lernerfolg.

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Die an der Fortbildung teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer

Wir lernen lebenslänglich. Aber die Einübung in unsere immer komplizierter werdende Welt erfolgt in größter Dichte und über viele Jahre hinweg in Kindheit und Jugend. Wie aber sind Lernen und Lehren speziell an Schulen heute zu denken und zu organisieren? Seit zweieinhalb Jahren nimmt das Eldenburg Gymnasium in Lübz an einem Pilotprojekt teil, das sich diesem Thema widmet. Getragen wird es vom Institut für Qualitätsentwicklung MV und der Universität Augsburg. Prof. Klaus Zierer von der Universität Augsburg leitet das unter dem Titel „Schulen zum Leben. Lernen sichtbar machen.“ stehende Projekt und er ist – Schulleiter Torsten Schwarz sagt es dankbar wie achtungsvoll – ist eine Kapazität auf dem Gebiet der Schulpädagogik.

Lernen für Lehrer muss außerhalb der Schule stattfinden. Das schaffe Abstand, mache die Köpfe frei, findet der Schulleiter. Also versammelte sich das Eldenburg-Kollegium an den beiden letzten Ferientagen im Bücherhotel in Groß Breesen. Um wissenschaftlich fundierte H a l t u n g e n ging es bisher auf jeder der Fortbildungen im Rahmen des Projektes. Jetzt wurde die achte von zehn Lehrer-„Haltungen” behandelt, formuliert als Ich-Aussage: „Ich gebe und fordere Rückmeldung“. Gut über 30 Mitglieder des Lehrkörpers lauschten hierzu den Ausführungen einiger Dozentinnen, machten Notizen oder lösten Aufgaben. Die Stimmung war gelöst, die Konzentration gebündelt.

Jeder kann sich unter Rückmeldung oder „Feedback” etwas vorstellen. Aber auf den Fortbildungen dieses Projektes, dem die umfassenden Forschungsergebnisse des neuseeländischen Erziehungswissenschaftlers John Hattie zu Grunde liegen, werden gängige pädagogische Begriffe wie auch „Feedback“ nach einzelnen Gehalten systematisch und umfassend aufgeschlüsselt. Auf Kernbegriffe reduziert vermittelten dazu die Schaubilder der Powerpoint-Präsentation beispielsweise, wie die Rückmeldung der Lehrer an die Lernenden optimal aussehen sollte. Drei zeitliche „Perspektiven” bilden hiernach den Sockel des Feedbacks. Verkürzt gesagt: Wo stand ein Schüler zu Beginn seines Lernprozesses? Wo steht er aktuell? Welche ihn herausfordernden Ziele sollte er in der Zukunft ansteuern? Die drei Perspektiven wiederum sind auf drei Ebenen zu ergänzen. Die simple betrifft die Aufgaben. Dann sollte differenziert hingeschaut werden: Wie genau hat sich der Lernprozess entwickelt oder soll er sich zukünftig entwickeln? Und schließlich muss der Lehrer die Selbstregulation der Schüler und Schülerinnen anstoßen, die Selbstbestimmung in Sachen Lernen also stärken.

Aber bekommen Lehrer und Lehrerinnen das alles in der Praxis auch hin, nachdem sie zwei Tage lang Vorträge gehört und Schaubilder studiert haben? Schließlich lässt sich an Menschen nicht wie an Apparaten herumschrauben. „All das muss natürlich noch auf den Schulalltag heruntergebrochen werden“, sagt Schwarz. Und der wissenschaftliche Mentor des Projekts, der Schulpädagoge Klaus Zierer, weiß selbstverständlich auch, dass die Präzisierung von Haltungen, wie hier vorgestellt, auch verinnerlicht werden muss. Aber: „Die Lernenden haben sich verändert,” sagt er. „Und wenn man von Professionalität spricht, können Forschungsergebnisse nur helfen.”

Anders hat es der Schulleiter 2014 einmal formuliert: „An Hattie kommt kein Lehrer mehr vorbei.”