Erinnern ist Menschenpflicht (svz 17-09-2018)

Das Eldenburg Gymnasium in Lübz schloss einen Kooperationsvertrag mit der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Nach der Unterschrift Aufstellung zum Fotoshooting (v.l.): Torsten Kröll (Schulamt Schwerin), Gerd Vorhauer (Geschichtslehrer und Yad Vashem -Aktivist), Anna Stocker (Yad Vashem) und Schulleiter Torsten Schwarz v.l.Monika Maria degner

Nach der Unterschrift Aufstellung zum Fotoshooting (v.l.): Torsten Kröll (Schulamt Schwerin), Gerd Vorhauer (Geschichtslehrer), Anna Stocker (Yad Vashem) und Schulleiter Torsten Schwarz Foto: Monika Maria degner

Monika Maria Degner Lübz Langsam füllt sich der Musikraum im Eldenburg Gymnasium. Schüler- und Elternvertretungen sowie Schülerinnen und Schüler aus themennahen Geschichtskursen bis hinauf zur zwölften Klasse suchen ihre Plätze. Die Gäste sammeln sich vorne um das Lehrerpult herum. Es sind neben der Mitarbeiterin der Gedenkstätte Yad Vashem, Anna Stocker, noch Doris Lipowski vom Kultusministerium MV und Schulrat Torsten Kröll.

Heute soll hier ein Kooperationsvertrag zwischen dem Lübzer Gymnasium und der zentralen Holocaust-Gedenkstätte Israels, Yad Vashem, unterzeichnet werden. Das Eldenburg Gymnasium ist erst die zweite Schule in MV, die diesen Vertrag erhält.Was dieses gewaltige Monument der Erinnerungskultur überhaupt ist, erläutert Anna Stocker in Wort und Bild: 1953 beschloss das israelische Parlament den Bau, die Idee dazu ist allerdings älter, sie ging unter anderem auch direkt aus dem Horror der Lager hervor. Isaac Schipper, Häftling in Majdanek, spendete sein „Testament an die zukünftige Generation“ wohl letzten Trost: Werde aus dem, was ihnen geschehe, für die Zukunft gelernt, dann habe – sinngemäß – ihrer aller Tod auch einen Sinn. Die Quelle stammt aus dem Jahr 1943.

Yad Vashem Halle der Namen

Halle der Namen Foto: dpa

„Unser Mandat ist es, die jüdische Perspektive weiterzugeben“, sagt Anna Stocker unter anderem. Und das heißt auch, mittels Forschung und Dokumentation die Menschen, die Gemeinden und die Widerstandskämpfer, die hinter der Zahl von sechs Millionen Opfern stehen, konkret zu nennen. 4,5 Millionen Namen hat das Institut bereits in der Halle der Namen sichtbar gemacht. Aber alle Vergangenheitsarbeit soll ja auch in die Zukunft ausstrahlen und so ist eine der großen Aufgaben Yad Vashems die pädagogische.

Es ist ruhig im Musikraum. Die Schüler und Schülerinnen hören konzentriert zu. Einige wissen: Bereits sieben ihrer Lehrer haben an Fortbildungen in Yad Vashem teilgenommen. Die Fortbildungsreisen unterstützt das Kultusministerium des Landes seit 2007. So entstanden bereits Vernetzungen unter den Pädagogen, Arbeitstreffen schlossen sich an, Unterrichtsmaterialien wurden gemeinsam entwickelt, sogar eine Ausstellung. Sie kann in Lübz ausgeliehen werden.

Viel ist also schon geschehen. Was wird jetzt neu sein, wenn Schulleiter Torsten Schwarz, Torsten Kröll vom Schulamt und Anna Stocker den Vertrag unterzeichnet haben? „Die Intensivierung der Kooperation“, sagt Geschichts- und Französischlehrer Gerd Vorhauer, der seit 2008 mit Yad Vashem und Lehrerkollegen zusammenarbeitet. „Sicher privilegiert Materialgewinn für den Unterricht. Aber der Vertrag legt vor allem auch unsere Pflichten fest.“ Die pädagogische Arbeit Yad Vashems mit seinen 600 Mitarbeitern dreht sich im Kern um diese eine Frage: Wie soll Erziehung nach dem Holocaust aussehen? „Es sind Methoden und Grundüberlegungen, die dort entwickelt werden“, sagt der Geschichtslehrer. Wichtig: Vom Bild des Opfers will man weg, will die Dramatik der immer widersprüchlichen Lebensentscheidungen der Betroffenen unter den Bedingungen der Nazizeit vielfältig sichtbar machen. Darin schult die Gedenkstätte. Genauer hinsehen, um nicht mehr ausschließlich die große Zahl, eine Nummer, einen gelben Stern wahrzunehmen.