“Adressat unbekannt” (svz 26-09-2018)

 Anne-Catrin Märzke kommt mit einem Stück im Koffer ans EGL
Anne-Catrin Märzke

Anne-Catrin Märzke kommt mit ihrem Kollegen Thaddäus Meilinger mit ihrer szenischen Lesung in das Eldenburg-Gymnasium.
Foto: Grit Siwonia

Anne-Catrin Märzke: Der Briefroman „Adressat unbekannt“ von Kressmann Taylor gehört schon seit langer Zeit zu meinen Lieblingsbüchern. Ich habe das Buch oft verschenkt, und mich hat es gereizt, den Stoff zu adaptieren und auf die Bühne zu bringen. In 18 Briefen und einem Telegramm wird die Geschichte der beiden Deutschen Martin Schulze und Max Eisenstein erzählt, zwei Freunde, die Anfang des 20. Jahrhunderts eine gemeinsame Kunstgalerie in San Francisco betreiben. Obwohl die Geschäfte großartig laufen, entschließt sich Martin 1932 nach Deutschland zurückzukehren und die beiden beginnen ihre intensive Brieffreundschaft. Alles ändert sich, als Hitler 1933 an die Macht kommt…

Ist eine Lesung leichter als Schauspielen?

Es ist eine inszenierte Lesung. Das heißt, wir haben auf Grundlage der Briefnovelle auch Dialoge und Monologe eingebaut. Wir lesen nicht nur, sondern spielen auch. Es ist eine Zwischenform. Dennoch gibt es wie bei einer Theateraufführung Licht- und Musikeffekte und das Drumherum. Wir haben uns für diese Form entschieden, weil das Stück somit variabel genug ist, um es auch auf kleinen Bühnen aufzuführen. Man kann es bildlich gesprochen in einen Koffer packen und an kleineren Theatern oder Kulturhäusern zeigen. Das ist auch wichtig, um mit dem Thema beispielsweise an Schulen gehen zu können.

Ist das geplant?

Ja, wir wollen es am Lübzer Gymnasium zeigen. Auch in Frankfurt am Main werden wir an verschiedene Schulen gehen. Ich fand es während meiner Schulzeit selbst immer interessant, wenn der Geschichtsunterricht auch veranschaulicht dargestellt wurde. „Empfänger Unbekannt“ ist ein Stück, das Generationen verbindet.

Das Stück ist 1938 entstanden, die Konsequenz des Hitlerfaschismus war noch nicht zu Ende gedacht…
Und dennoch ist das Stück aktueller denn je. Denn es gibt heute einige Parallelen zu den 30er-Jahren. In dem Stück wird deutlich: Es geht keiner als Gewinner hervor. Wir müssen die Zeichen der Zeit vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage erkennen. Es ist daher umso wichtiger, solche Geschichten zu erzählen, damit sich die Fehler von damals nicht noch einmal wiederholen.

Was ist leichter zu spielen, das leichte oder das ernste Fach?
Komödie ist eine hohe Kunst. Man braucht viel Talent und gutes Timing. Aber das Ernsthafte ist deshalb nicht unbedingt leichter, weil die tragischen Rollen so verkörpert werden müssen, dass sie den Zuschauer berühren. Ich drehe gerade für den internationalen Kinofilm „Adventures of a Mathematician“ mit Esther Garrel und Philippe Tlokinski in den Hauptrollen und Ende des Jahres spiele ich wieder in einem komödiantischen Stück am Theater in Dresden. Genau diese Abwechslung hält meine Beziehung zu dem Beruf frisch.

Für manche sind Sie das Gesicht aus der Vorabendserie. Stört so ein Ruf manchmal?
Bin ich das? Das habe ich so noch nicht gemerkt. Im Grunde genommen geht es immer darum eine Geschichte zu erzählen um die Leute zu unterhalten und zu inspirieren. Über welche Kunstform oder über welches Medium das geschieht, ist dabei zweitrangig. Ich empfinde es als Schauspielerin als Segen, vielfältige Themen und Stoffe bedienen zu dürfen. Ich suche immer neue Herausforderungen und freue mich, dass mir in meinem Beruf dadurch niemals langweilig geworden ist.

„Empfänger Unbekannt“ ist ein Stück mit drei Rollen, sie spielen zu zweit. Funktioniert das?
Ich spiele eine Doppelrolle: Gisela und Max. Thaddäus Meilinger verkörpert Martin. Es ist eine interessante Herausforderung für mich, einen Mann darzustellen und eine tolle Möglichkeit, mich einmal von einer ganz anderen Seite zeigen zu können.

Sie kommen im November mit der szenischen Lesung nach Parchim. Werden Sie in „Pütt“ immer noch erkannt?
Na klar. Ich bin ja hier aufgewachsen, in den Kindergarten, in die Schule gegangen. Sicher hat man nicht mehr so viele Bekannte wie früher vor Ort, aber ich bin regelmäßig zu Besuch. Es ist aber nicht so, dass die Leute auf mich zukommen und fragen: „Bist du nicht die Schauspielerin?“ Sie kommen und sagen einfach: „Ey Anne, wie gehts?“ Wir freuen uns darauf, in Parchim im Buchhaus Fette das Stück aufzuführen. Damit möchte ich auch solch alteingesessene Familienunternehmen und lokale Geschäfte unterstützen, die in der Parchimer Innenstadt ja leider immer rarer werden. So eine behagliche Wohnzimmeratmosphäre passt außerdem perfekt zu unserem Abend.

– Quelle: https://www.svz.de/21150902 ©2018